Rigi Kaltbad

Ein Wallfahrtsort mit Felsenkapelle und „Drei-Schwestern-Brunnen“


Sibylle Heimgartner

Anfang November machte ich mich auf Richtung Rigi, zur „Königin der Berge“ im Zentrum der Schweiz. Mit dem Zahnradbähnli ging es von Arth-Goldau höher und immer höher. Eine Winterlandschaft tat sich vor mir auf – Schnee, wohin das Auge reichte und es wurde immer mehr - etwas womit ich als Unterländerin gar nicht gerechnet hatte. Zum Glück hatte ich meine Schuhe gut gewählt. Sie waren schneetauglich.

Auf dem Rigi-Kulm hatte ich ein paar Minuten Zeit, um den schönen Blick auf den Vierwaldstättersee, die Alpenkette und das Mittelland zu geniessen, bevor es mit einem nächsten Bähnli auf der anderen Seite des Berges wieder hinab ging. Bei der Haltestelle Rigi-Kaltbad stieg ich aus und musste mich zuerst orientieren. Wo möchte nun der versteckte Wallfahrtsort sein?

Da entdeckte ich einen Wegweiser, kam an dem neu gebauten riesigen Botta-Badkomplex vorbei und nach ca. fünf Minuten stand ich vor dem Felsentor.




Ich ging hindurch und vor mir tat sich eine Fläche auf umrahmt von riesigen Nagelfluhblöcken, so dass die hinein gebaute Kapelle kaum Platz fand.


Auf der rechten Seite befand sich der drei Schwesternbrunnen, gespeist von der Quelle, die direkt aus dem Bergmutterschoss, einer langen, schmalen Felsspalte entsprang. Wunderschön war der Anblick!


Ich war allein. Die Tür der Kapelle war offen und ich ging hinein. Im Vorraum befanden sich einige Votivtafeln zum Andenken an die Heilungen durch „der mildreichen Mutter Mariae auf dem Gnadenthron“. Die Statue auf dem Altar blickte mich erhaben und freundlich an. Die Kapelle ist dem St. Michael geweiht. In der Kirche befinden sich auch Statuen des hl. Wendelin und des hl. Diakon Laurentius.

„Zu Beginn des 14. Jahrhunderts – so erzählt es die Sage – flohen drei fromme Schwestern vor gewalttätigen Vögten aus dem Tal in die Höhen der Rigialpen. Sie bauten ihre Hütte hinter schützenden Nagelfluhblöcken. Hier führten sie ein heiliges Leben, sie leisteten den Sennen und ihren Familien viele gute Dienste, wussten Rat bei Verletzungen und Krankheiten. Nachdem die letzte der drei Schwestern gestorben war, entsprang aus einer Felsspalte plötzlich eine Quelle. Bald wurde diese Quelle für ihre Heilwirkung bei „Rückenweh und allerlei Fieber“ bekannt. 1585 wurde dann die erste Felsenkapelle erstellt. Die Wallfahrten nach Rigi Kaltbad waren oft auch mit einer Badekur verbunden. Dazu legte man sich nackt in den „Drei-Schwestern-Brunnen“ und tauchte dreimal unter. Darauf versuchte man sich mit einem Lauf um die Kapelle wieder zu erwärmen, wozu man fünf Vaterunser, fünf Ave Maria und den Glauben zu beten hatte“. (Informationstafel vor dem Felsdurchgang)

Ich verweilte kurz an diesem magischen Ort der drei heiligen Jungfrauen, füllte meine Flasche mit dem eiskalten Wasser. Die Vorstellung da dreimal unterzutauchen, liess mich erschauern. Bevor eine Gruppe von Leuten den Weg zur Kapelle fand, machte ich mich auf den Rückweg und gönnte mir einen entspannenden Wellnessbesuch im neuen Bad.

Auf dem Rückweg wieder über Rigi-Uto-Kulm kam ich in den Genuss eines goldigen Sonnenunterganges, bevor die Nacht eiskalt und klar hereinbrach.





Quellen und Links

Derungs, Kurt: Magische Quellen, Heiliges Wasser. Die 22 Kultquellen der Schweiz. Rigi – Das Kaltbad am Vierwaldstättersee. S. 215 – 220.

Felsenkapelle St. Michael

Mineralbad


Sibylle Heimgartner

November 2014